Ich wäre eine schlechte Trainerin, würde ich es nicht vorleben

 

Teams, die meine Unterstützung mit "Hunde-Schwierigkeiten" suchen, erhalten nicht selten zuerst den Rat, Anpassungen im eigenen Umfeld des Hundes vorzunehmen. Im Tagesablauf, in Ernährung und tierärztliche Untersuchungen.

 

Warum?

Hunde haben Gründe sich zu verhalten, wie sie sich verhalten.

Unruhe, Hyperaktivität, stereotype Verhalten, Angst, Aggression..., das sind für Menschen wahrnehmbare Verhalten. Quasi Bilder an der Körperoberfläche des Hundes. Ausdrücke seiner inneren, emotionalen Zustände.

Nicht nur dabei, sondern mitten drin

Sindra begleitete mich regelmässig in die Mensch-Hund-Trainings. Sie genoss es, nicht nur dabei zu sein, sondern mitten drin! Das war ihr Motto: Mitten drin!

Vorzeigen dürfen, am Rande des Geschehens beobachten, und mir auch als Muttersprachler beim Übersetzen der Hundesprache zu helfen.

Ich selbst bin nicht davor gefeit...

...beim eigenen Hund genau hinzuschauen!

Piek erreicht: abgelöschter Ausdruck, tropfende Nase
Piek erreicht: abgelöschter Ausdruck, tropfende Nase

Seit vergangenem Spätsommer wurde es "irgendwie anders". Sie zeigte mir in unserem Alltag zunehmend Auffälligkeiten, die mich sorgten.

 

So liess ich sie bei meiner Tierärztin durchchecken als - nach meinem Empfinden - der Piek dieser Auffälligkeiten erreicht wurde: "Abgelöscht", regelmässig tropfende Nase...

Meine Alarmglocken läuteten: "SCHMERZEN!"

 

Nichts Dramatisches kam mit Blut- und Urinuntersuchungen zu Tage. Gottseidank!

 

 

Kleine Zipperleins, die wir Menschen selber auch mit zunehmendem Alter erfahren. Aber tatsächlich wurde nichts gefunden, das diese Auffälligkeiten wirklich erklären konnten. Die Schmerzen konnten wir zwischenzeitlich mindestens lindern. Dank osteopathischer Behandlungen. Und auch Zuführen von Nahrungsergänzungsmittelchen auf pflanzlicher Basis.

Diese Veränderung nehme ich heute wahr. Die mir bekannte und geliebte Lebensfreude kehrt langsam zurück.

Noch besser drauf schauen

Was also ist denn los? - fragte ich mich und guckte noch genauer hin und drauf. Ich prüfte ihre Ernährung, unsere Tagesabläufe, ihre regelmässigen Spassmomente, ich suchte nach vielleicht nicht bewusst wahrgenommenen regelmässigen Aufregern und Stressoren.

 

Ich quantifizierte also ihre emotionalen Zustände. So gut das halt geht als Mensch. Mit bewusstem Hinschauen, Wahrnehmen, Beobachten, erstellte Dokumentationen. Um sodann meine Schlüsse ziehen zu können...

Ich verheize meinen Hund nicht!

Mitten drin - im Training mit Mensch und Hund
Mitten drin - im Training mit Mensch und Hund

Ich habe entschieden, Sindra nicht mehr in die Hundetrainings einzubinden. Vielleicht noch in einzelne. In emotional wenig belastende Trainings. Aber sicher deutlich in der Häufigkeit reduziert!

 

Meinen Hund versorge ich derweil aber auch nicht über Stunden in der Hundebox.

Dieses regelmässige und ständige "Verwahren von Trainerhunden" war für mich noch nie eine Option.

Ich unterrichte doch nicht mit Herzblut Mensch mit Hund, um dann meinen eigenen Hund über mehrere Stunden in einer räumlich beschränkten Box unterzubringen?! Oder ständig fremdbetreuen zu lassen?!

Anpassungen vornehmen

Unsere Tage neu gestalten, hiess also meine Aufgabe.

 

Also passe ich meine Aktivitäten dem Vermögen meines Hundes an. Das hat auch Konsequenzen auf meine Trainings mit Teams.

Ich nutze mit der Sommerzeitumstellung 2016 die Morgenstunden, um mit Menschen mit ihren Hunden zu arbeiten. Das sind die gewohnten und geliebten Ruhezeiten meiner Hündin. Ich kann sie zu diesen Stunden mit bestem Gewissen zu Hause ruhen lassen.

Die Nachmittagsstunden werden wir in Gemeinsamkeit verbringen. "Du und ich.".

Ich wäre nach meinem Empfinden eine schlechte Trainerin, würde ich meinem eigenen Hund nicht die Aufmerksamkeit und das Handeln entgegen bringen, das er benötigt.

Ich kann nicht von meinen Teams erwarten, dass sie besser auf die eigene Hundehaltung gucken, wo nötig Anpassungen vornehmen - und ich ignoriere derweil die Bedürfnisse meines eigenen Hundes.

Die Bedürfnisse verändern sich im Laufe eines Lebens. Diese Veränderungen wahrzunehmen und darauf passend zu reagieren empfinde ich nicht als Pflicht. Sondern als Selbstverständlichkeit.

 

Weil:

Ich liebe was ich lebe. Ich lebe, was ich liebe.

Und wenn das bedeutet, Abschied zu nehmen von eingespielten Abläufen, Ritualen.

Neue lassen sich mit wenig Aufwand installieren.

 

 

Bis zur nächsten Veränderung.

Eva Zaugg, März 2016

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Kommentare: 3
  • #1

    Marion (Sonntag, 06 März 2016 11:33)

    Danke. diese stellungnahme hat mich berührt und finde das richtig. mir gefällt diese seite sehr ! leider sind wir nicht in der nähe .... bei 8 hunden fällt die individuelle beobachtung als mensch etwas schwerer und die hunde zeigen unwohlsein vehementer (eben bis mensch versteht). und doch ist das ein denkanstoss für mich.

  • #2

    Katharina Queisser (Montag, 07 März 2016 08:26)

    Es trifft zu 100% danke für diese Zeilen. Als Halterin eines 13 Jahre alten Seniors bin ich auch immer sehr am rein fühlen, was geht und was nicht geht. Diese Geschichte, das Trainer Ihre Hunde stundenlang im Auto lassen (auch wenn sie es 100mal gewöhnt) sind, erscheint mir schon eine als keine gute Lösung. Heute bin ich nicht mehr als Trainer unterwegs und habe das große Glück, mein Leben sehr intensiv auf meinen Senior einstellen zu können. Wie Du schon schreibst - die Bedürfnisse verändern sich .....

  • #3

    Gordon (Montag, 07 März 2016 11:25)

    Vielen Dank für die Hinweise. Als Neuhundebesitzer sind wir immer wieder am Schauen, was unsere Vicky macht und was sie uns damit sagen will. Noch klappt die Kommunikation noch nicht perfekt, aber wir arbeiten täglich dran.
    Man kann sich auch komischerweise kaum mit anderen Hundebesitzern austauschen, weil die meisten, die wir immer wieder treffen, ihren Hund einfach "laufen lassen" und von einem Training, sowie Hundesprache nur am Rand mal was gehört haben.
    Die meisten Informationen finden wir, wie hier, im Netz oder ganz Oldschool in Büchern.