Ich bin nur die Übersetzerin...

Hundehaltende erwarten von mir, dass ich bei Schwierigkeiten Lösungen finde. Am liebsten sofort. Und das gestern.

 

Zaubern kann ich nicht.

Dafür kann ich gut übersetzen.

 

Hinschauen, Draufschauen

Meine Aufgabe als Trainerin ist es, das Mensch-Hund-Team individuell und ganzheitlich wahrzunehmen. Mein Vorgehen mit geschilderten Schwierigkeiten ist stets das Gleiche:

 

Ich frage mich zu Beginn, warum tut der Hund das? Welchen Vorteil bringt es ihm oder anders auch gesagt, welche Erleichterung verschafft er sich damit?

Hätte er mit seinem Verhalten keinen Vorteil, würde er es auch nicht tun.

 

Da sind Hunde nicht viel anders als Menschen....

Er hat seine Gründe

Mein schon beinahe Mantra heisst:

"Verhalten fällt nicht wie Manna vom Himmel. Der Hund hat Gründe zu tun, was er tut."

 

Für Menschen ist das nicht Bewerten sehr, sehr schwer. Ich meine damit zum Beispiel Bewertungen wie "er tut XY, weil mein Hund stur ist".

  • Sich selber zurücknehmen und quasi das Geschehen wie ein Adler aus der Ferne nur zu beobachten, ist nicht einfach. Aber lernbar.
  • Selbstkritisch mit sich umzugehen ist auch nicht einfach. Aber lernbar.
  • Manchmal ist es anstrengend.
  • Manchmal emotional schmerzhaft, wenn unerwartete Erkenntnisse auftauchen. Wenn Geliebtes losgelassen, Neues willkommen geheissen werden soll.
  • Lernen und vor allem Umlernen ist selten einfach. Weder für Hund - noch für Mensch.

Verhalten beim Hund zu verändern bedeutet nicht selten, eigenes, menschliches Verhalten zu verändern. Darüber habe ich bereits vor einiger Zeit aus meinem privaten Leben mit meiner Hündin erzählt.

Selbstkritik und Reflexionsfähigkeit sind wichtige Voraussetzungen, wenn ich rasche Veränderungen, und gerade mit vielleicht den auswegslos erscheinenden Schwierigkeiten mit dem Hund arbeiten möchte. Es ist meine wahrgenommene Verantwortung gegenüber meinem Hund.

Die zu oft vergessene Gesundheit, das Wohlbefinden

Der Hund hat seine Gründe, das zu tun, was er tut. So sucht und schafft sich der so genannte "Problemhund" nichts anderes als Erleichterung. Er will sich also von Unangenehmen erleichtern. Er sucht und verschafft sich Wohlbefinden.

  • So knurrt der mit der unmöglichen Etikette beklebte, "dominant aggressive" Hund, um sich Blödes von sich fernzuhalten. Was "blöd" ist, entscheidet in dem Moment übrigens der Hund. Nicht sein Mensch ;-)
  • So jagt der andere was das Zeugs hält und hetzt jedem "Fliegenfürzli" hinterher. Dass der dabei ausgeschüttete Hormoncocktail dabei eventuell Schmerzen für einen Moment lindern, daran denken die wenigsten Menschen.
  • Dass dem "auffälligen" Hund eine Schilddrüsenunterfunktion das Leben schwer machen könnte, ist ein erster guter Gedanke. Wird sie ihm nach umfassender Untersuchung dann auch tatsächlich diagnostiziert, ist bereits ein erster richtiger Schritt getan. Sofort zu stubstituieren, das heisst, medikamentös zu unterstützen, sollte hingegen sehr sorgfältig und vor allen Dingen nur fachkundig-tierärztlich entschieden werden. Es gibt gute Gründe zu warten, bevor Hormone zum Einsatz kommen! Allem vorab darf m.E. das Ei nicht vor das Huhn gesetzt werden. Oder doch das Huhn vor das Ei? Was ich damit sagen will?
    Vielleicht sind Stressoren besonderes Augenmerk zu schenken statt sofort mit der Chemiekeule und dem Hormonersatz zu wirken! Der gestresste Hund hat garantiert keine optimalen Schilddrüsenwerte. Warum ist der Hund gestresst...? Liegt es an der defekten Schilddrüse selbst, oder hat es andere Gründe? Hat er Schmerzen? Erlitt er einen Unfall? Müssen die Haltungsbedingungen optmiert werden? Und da sind wir wieder bei der Reflektionsfähigkeit. Von der Bezugsperson. Aber auch von der Fachperson.

  • Der hibbelige Hund, der stets schnell unterwegs, der unhändelbar, gestresst, ungehalten  und manchmal auch stets hungrig wirkt: Vielleicht sollte an seiner ausgeglichenen, gesunden Ernährung etwas optimiert werden? Und dabei auch gleichzeitig das Training und die Beschäftigungen ganz genau betrachtet werden. Für uns Menschen mag es zwar nicht als Überbeschäftigung erscheinen. Für den individuellen Hund hingegen vielleicht schon...

  • ...

Erste Veränderungen in die richtige Richtung

Ein Training kann nur so gut und nachhaltig wirken, wie es angeleitet und vor allen Dingen, wie es von der Bezugsperson im eigenen Alltag angenommen und praktiziert wird. Erste Veränderungen in unserem erwünschten Sinne stellen sich sehr rasch ein. Wenn das nicht passiert, war unser Plan nicht gut genug. Vielleicht haben wir auch noch nicht alles aufgedeckt.

 

Meine Aufgabe und Verantwortung als Trainerin ist es, das Team ganzheitlich zu betrachten und im richtigen Moment, die möglichst richtige Empfehlung zu geben. Vielleicht stelle ich ab und wann unangenehme,  ja, vielleicht sogar sehr persönliche Fragen. Eine gute Arbeitsbeziehung und vor allen Dingen ein absolutes Vertrauensverhältnis zwischen Hundehalter/in und mich in der Rolle als Trainerin ist Pflicht. Ohne geht es nicht, wenn ich effizient unterstützen soll. Und das ist mein Ziel. Rasche Veränderungen herleiten und nicht etwa "Dauerkunden" schaffen!

 

Erste erwünschte Veränderungen stellen sich sehr schnell ein. Was heisst schnell? Sind  2 Wochen schnell genug? Ich finde ja. Sind 6 Wochen vom ungehaltenen, nicht ansprechbaren Hund, hin zu Freude, Spass und gelassenen Sein im Alltag sogar sehr schnell! Der Plan ist hier richtig.

Wir sind auf der richtigen Spur.

Verantwortung für den Hund teilen

Ich bin die Übersetzerin.

Die Brücke zwischen deinem Hund und dir.

Ich erkläre dir, was ich sehe.

Ich schlage dir mögliche Wege vor. Erkläre dir, warum ich so handeln würde.

Veränderungen und Optimierungen in deinem Alltag finden und empfehlen, das ist mein Job.

Annehmen und umsetzen: Deine Entscheidung.

 

Das Trainingshandwerk ist nur eine Seite der Medaille.

 

Ich darf dich begleiten. Ich darf dir mögliche Wege aufzeigen. Wege, weg von Frust, hin zu Spass und Lust.

Positive Verstärkung hilft nur so viel, wie sie effizient wirkt. Die Theorie sagt dir, dass sie funktioniert.

 

Für die Praxis, das Richtige im richtigen Moment, bin ich verantwortlich herauszuarbeiten. Deshalb kommst du auf mich zu.

 

Die Umsetzung obliegt dir.

Die sich daraus ergebende Zusammenarbeit? Kann so wundervoll sein!

 

Immer im Fokus: Der Hund.

Geprägt von Freude!

Für dich - als Bezugsperson deines Hundes.

Für deinen Hund - als dein Freund zu deiner Seite.

Für mich - dank der erhofften, aber auch  erwarteten Rückmeldungen von dir.

Dann weiss ich, meine Übersetzung zwischen Hund und Mensch funktioniert.

 

Ja! Ich empfinde Glück und grosse Befriedigung, ein Team neu zusammen geführt zu haben.

 

Menschen sind eben auch nicht viel anders als Hunde... ;-)

Sie tun, was ihnen Vorteile verschafft.

Übersetzen. Eine (neue) Brücke bauen und damit wieder Nähe zwischen Mensch und Hund schaffen. Mein Auftrag. Meine Verantwortung.

Eva Zaugg, im April 2016

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Kommentare: 4
  • #1

    Nadine (Sonntag, 03 April 2016 13:28)

    Mega berührt... ja denn wir stecken da gerade mitendrin, und ja es ist nicht immer einfach aber mit einem so herzlichen, präsenten und ganzheitlichen Trainer doch ein grosses Stück leichter. Das Ergebnis ganz klar Freude, Wärme gemeinsam und immer mal wieder überwältigend gerührt über das was gerade passiert <3

  • #2

    Christine (Sonntag, 03 April 2016 14:47)

    Wieder einmal sehr schön und treffend geschrieben von Eva. Auch der Kommentar von Nadine ( kenne ich zwar nicht persönlich) berührt mich - habe Videos von Obedienceprüfungen gesehen - sieht immer so harmonisch aus mit ihrem Joy....

  • #3

    Evelyn (Sonntag, 03 April 2016 21:44)

    Liebe Eva,
    du bist eine wundervolle "Uebersetzerin" ! Für uns hat sich so vieles ins Positive verändert, das ich jeden Tag bewusst das "sein mit Hund" geniesse. Grenzen haben sich geöffnet, die Umgebung ist abwechslungsreicher und farbiger geworden. Wir geniessen einfach das "Jetzt".
    Ja, es ist nicht einfach sich von alten Denkmustern und altem Verhalten zu lösen. Doch nun muss ich manchmal über mich selber lachen, denn mein Hund ist schon weiter als ich und vergibt mir meinen Automatismus... Aber an meinem eigenen Verhalten werde ich arbeiten, denn das Training bei dir hat meine Wahrnehmung verändert.
    Es ist eigentlich egal wie lange es dauert, wenn man jeden Tag mit mehr Freude und Spass zusammen verbringt. Und die ersten Schritte zu einem tollen Team hatten wir bei dir bereits nach dem ersten Training und dann ging alles sehr, sehr schnell und auf einmal auch leicht.
    Du bist ein Coach, der nicht nur übersetzt, sondern einem in jedem Punkt hilfreich und effizient zur Seite steht.
    Ich danke dir von Herzen für Alles!!!





  • #4

    Katrien (Montag, 04 April 2016 03:12)

    Ja, ja und nochmal: ja!