s'Zmorge zum Training

 

....oder dein Futter musst du dir schon verdienen! 

Immer öfter begegne ich der Handfütterung und dem Verteilen von Essen "gegen Leistung" auf Spaziergang / im (vermeintlichen!) Hundetraining.

Es ist mir wirklich ein Rätsel, aus welcher Ecke dieser alte Zopf neuen Aufschwung geniesst...??!


Der Napf bleibt leer. Mindestens die Hälfte seiner Tagesration soll sich der Hund unterwegs, respektive in seinem Training verdienen. Von nichts gibt es nichts.

NILIF... Nothing in Life is Free... - ein sehr unfaires Vorgehen! Das war früher gang und gäbe. Heute wenden moderne Tiertrainer dieses nicht an. Es gibt sehr viel schlankere und vor allem lustvolle Wege, um zu einem starken Mensch-Hund-Team zusammen zu wachsen.

 

 

Ein hungriger Hund lernt nicht lustvoll

Zugegeben. Lust auf Essen kann die Motivation tatsächlich anspornen, sich kooperativer zu verhalten. Hat der Hund wirklich Lust auf ein Bröckchen Futter, dann kann dies wunderbar im Training als Belohnung genutzt werden.

Blöd nur, wenn er keine Lust auf Futter hat...  Was dann? Ist er dominant? Lässt du ihn deshalb aushungern...???????

 

Ein hungriger Hund allerdings lernt etwas ganz sicher nicht: Spass, Lust und Freude mit Mensch.

Ein hungriger Hund ist allem vorab einfach mal sehr, sehr gestresst. Er will an sein Futter kommen. Satt werden. Der Weg dahin kann für ihn sehr nervenaufreibend sein!

Ich habe ein Hypo! Und reagiere sehr gereizt...!

Wenn ich hungrig bin, werde ich sehr zappelig. Ich fühle mich zittrig. Ich bin nervös und fühle mich ungeduldig, ungehalten. Ich bin im unterzuckerten Zustand.

 

Dann reagiere ich sehr schnell genervt und extrem gereizt. Im hungrigen Zustand will ich nur eines:

In Ruhe gelassen werden! Und ganz bestimmt nicht eine knifflige Problemstellung lösen müssen, eine intensive Sitzung abhalten, einen langen Brief schreiben... Ich will nur eines: In Ruhe etwas Essbares zu mir nehmen. 

 

Arbeiten mit hungrigen Hunden

Wenn du dich auch nur ein wenig in den obigen Zeilen wieder findest, sollte es dir klar werden, warum das Arbeiten mit einem hungrigen Hund keine gute Idee ist.

 

Er lernt 

  • nicht, im entspannten Lernumfeld mit dir zu arbeiten
  • nicht, mit freudiger Erwartung sich auf das gemeinsame Tun einzulassen
  • hektisch und schnell zu reagieren
  • noch schneller sein Futter runterzuschlingen

Türöffner für neue, zusätzliche Baustellen

Tatsächlich kann dein Hund in diesem Zustand Dinge lernen, die du ihm eigentlich bestimmt nicht beibringen möchtest. Zum Beispiel sein Futter zu verteidigen, sollte er mal an sein Futter kommen. Wer lässt sich schon gerne sein Steak unter der Nase durchziehen und darf es dann nicht essen??! Eben.

 

Es kommt vielleicht zufälligerweise ein fremder Hund vorbei, angezogen vom Duft des Futters...? Was könnte wohl in dieser Situation noch passieren?.... Eine "nette" Hund-Hund-Aggression vielleicht? Nicht weil er dominant wäre, dein Hund. Nein! Schlicht und ergreifend weil er hungrig ist! Und im Hier und Jetzt null Bock auf Teilen mit Fremden hat!

Ist er deshalb dominant, dein Hund?

 

Zu diesem Kapitel passt auch das so genannte Wegnehmen des gefüllten Hundenapfes.

Der Hund müsse dies tolerieren! Toleriert er es nicht, wird ihm vorgeworfen, er sei dominant.

 

Quatsch!

Nein. Muss er nicht. Er muss es nicht tolerieren.

Er darf und soll dafür lernen, dass eine sich annähernde Menschenhand an den gefüllten Napf oder an etwas Essbares nichts Bedrohliches darstellt.

Das sind zweierlei Herangehensweisen.

Und allem vorab unterschiedliche Wertehaltungen gegenüber dem Partner und Freund Hund.

Handle klug. Gestalte lernen entspannt.

Die ausschliessliche Handfütterung ist also "very old-schooles", asbach-uraltes Vorgehen. Es ist kein zeitgemässes Training.

 

Tatsächlich setze ich diesem Vorgehen den Titel "Zwang" auf. Ich übe Macht über ein Lebewesen aus, dessen wichtigste Ressource ich zum Überleben ihm nicht nur sehr streng, sondern darüber hinaus besonders unfair verwalte.

 

Meine Hunde bekommen ihr Essen aus dem Napf.

In Ruhe.

Arbeite ich im Training unter anderem mit Futter, passe ich ganz einfach die Ration der Tagesmenge an.

Und die Linie bleibt schlank.

Punkt.

Zeitgemäss ist...

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