Ruhe finden

"Mein Hund jagt!", also besuche ich ein Antijagdtraining.

"Mein Hund ist nicht rückrufbar!", also besuche ich einen Rückrufkurs.

"Mein Hund bellt und bellt und bellt!", also besuche ich einen Entspannungskurs.

"Mein Hund sucht so gerne!", also besuche ich einen Mantrailing-Kurs.

usw. usf. Das Wissen rund um Hund und dessen Beschäftigung sind heute auffällig im Fokus. Das ist die gute Nachricht!  Aber: Es gibt bedauerlicherweise auch eine schlechte Nachricht: Die Probleme mit Hund nehmen ebenfalls auffällig zu. Die Ursache: Überbeschäftigung und nicht persönlichkeitsgerechte Beschäftigung! Damit einhergehend eine Überreizung seines Nervensystems, Dauerstress: Offene Tore für auffälliges, störendes Hundeverhalten.

 

Zu viel des Guten

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“

- Paracelsus

Montag: Plauschkurs

Dienstag: Hundehort mit Gruppenhaltung

Mittwoch: Sporttraining

Donnerstag: Hundehort mit Gruppenhaltung

Freitag: Beschäftigungskurs für den jagdlich motivieren Hund

Samstag: Mantrailing

Sonntag: Endlich! Zeit für die Familie und eine richtig lange Wanderung über die Jurahöhen.

verhaltensauffällig wegen überbeschäftigung und gar falscher Beschäftigung

Das oben stehende Wochenprogramm scheint dir überspitzt? "Meinen Hund beschäftige ich garantiert nicht zu viel! Dieser Blog-Beitrag kann mich gar nicht betreffen. Und ausserdem besuche ich nur gute, positiv arbeitende Hundeschulen und -trainerInnen!"

 

Wirklich? Der Beitrag betrifft dich nicht? Es ist irrelevant, ob du eine zeitgemäss arbeitende Hundeschule besuchst. Heute, in diesem Beitrag geht es mir um die Menge der Beschäftigung und die ständige "Berieselung" deines Hundes im Alltag.

 

Ich habe deshalb eine Bitte an dich: Schau dir deine Agenda und deine Tage genau an und prüfe,

  • wie viele  Aktivitäten du in den letzten 2 Monaten mit deinem Hund geplant und besucht hattest...?
  • welche verschiedenen Beschäftigungs- und Trainingskurse pro Woche du besuchst hattest...?
  • wie oft dein Hund mit dir auf Achse war....?

und dann denke nach und beantworte dir bitte die folgende Frage:

Erhält mein erwachsener Hund seine 16 bis 20 Stunden pro Tag Ruhe- und Schlafenszeiten in ruhiger, sauberer, entspannter Umgebung? Wenn du ihn an deinen Arbeitsplatz mitnehmen darfst: Wie ruhig und entspannt ist dieses Umfeld? 

Ruhe finden

Auffälliges und dich störendes Hundeverhalten sind nicht die Ursachen. Es sind Symptome. Symptome eines Ungleichgewichts.

 

Um effektive Veränderung herzuleiten, bedingt es Arbeit an der Ursache. Alles andere sind Managementmassnahmen, einem Gummiboot gleich, dessen Löcher du mit Pflaster beklebst... Früher oder später ist die Luft aber trotzdem draussen...

 

Deine erste Massnahme heisst deshalb:

Ruhe schaffen und ermöglichen, damit Ruhe gefunden wird.