Jöööö! Gugg mal wie herzig!!!!

Ich lebe in einer städtisch geprägten Umwelt. Mit vielen Menschen, Autos, Fahrräder, Inline Skater, Rollbretter, anderen Hunden, vielen Katzen, und, und, und, und.... Damit einhergehend erfährt mein Hund viele Grenzen und auch seltsame, sehr unhündische Begegnungen. Es versteht sich von selbst, dass in einem solchen Umfeld der Hund allgemein gute Manieren, das heisst, einen soliden Grundgehorsam mitbringen muss. Ohne Wenn und Aber. Indiskutabler Fakt!

 

Danebst lege ich sehr, sehr grossen Wert auf die Resilienz. Das heisst, auf die psychische Widerstandskraft in belastenden Situationen. Wie ich wiederholt sage: "Das Leben ist kein Konfiglas". Und deshalb möchte ich meinem Hund  bestmöglich helfen, blöde und doofe Situationen gelassen zu bewältigen. Er soll den menschlich geprägten "Alltagswahnsinn" als etwas völlig Normales empfinden.

Von einer sehr beengenden Situation handelt heute dieser Beitrag...

Beengend

Einer unserer Arbeitswege führt durch eine Unterführung. Eher dunkel und vor allem eng.

 

Nun, mein Hund hat gelernt auf Signal zu warten, oder wenn nötig hinter mir zu laufen. An einem späteren Nachmittag im Februar allerdings steckten wir wortwörtlich fest getackert in der Unterführung fest:

 

Eine Grossmama spazierte uns mit ihrem Enkel entgegen. Das Kind hatte sichtlich Freude an Hunden, Grossmama auch: "Jöööö, gugg mal was für ein schöner und herziger Hund!!", rief sie dem kleinen Buben zu und blieb mit ihm so ziemlich genau neben uns - beide starrend auf Pipps - stehen. Nun, wir wissen, dass Hunde direktes Anstarren als ziemlich aggressiv gestimmte, mindestens extrem unhöfliche Kommunikation empfinden.... Sindra am Geländer neben mir wartend, ich splittend. Ich konnte quasi den Atem der Grossmama spüren... Ja, auch meine eigene Individualdistanz wurde ziemlich unterschritten. 

 

Eigentlich wollte ich nur höflich sein und sie wartend durch spazieren lassen.... Manchmal kommt es eben anders als geplant! :-) 

 

Ich hätte mich jetzt ärgern können, dass diese Frau uns so unsensibel "in die Mangel nahm". - Ich habe mich aber nicht geärgert. Weil ich weiss, dass solche Sachen aus Sicht Hund zum ganz normalen "Alltagswahnsinn" gehören. Und ausserdem wollte die Grossmama nur höflich, nett und lieb sein und mit ihrem Enkel einen schönen Spaziergang machen.

 

Also bedankte ich mich höflich für die lieben Worte und forderte Pipps im gleichen Atemzug mit "los, weiter" auf, loszumarschieren. Ich wollte uns beide aus dieser beengenden Situation befreien. Grossmama war etwas irritiert, ich lächelte nur und wünschte einen schönen Nachmittag.

 

Deshalb trainiere ich wie ich trainiere.

An solchen Orten, die beengen oder gar ängstigen können. Arbeit an positiv gestimmter Erwartungshaltung, Gelassenheit und Neugier. Bewusst. Lösungsorientiert. Dem Vermögen angepasst. Ich arbeite gezielt auf eine starke Widerstandskraft des Hundes - und damit einhergehend auch jene der Bezugsperson des Hundes.

Weil ich mich mit ihm in unserer dichten Umwelt weit gehend frei und stressfrei bewegen möchte, ohne negativ aufzufallen. Für ein starkes, vertrautes und vertrauensvolles Sein mit Hund. 

 

Und du?

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