Welpen und Junghunde

Zwischen der 8. und 11. Lebenswoche werden Welpen neuen Dingen gegenüber vorsichtig. Sie stehen mitten in ihrer Jugendentwicklung.

Es ist eine besonders sensible Zeit: Beängstigende Ereignisse werden nämlich dauerhaft als Bedrohung im Gehirn abgespeichert. Die Trennung von den Hundegeschwistern und der Mama, der Einzug in eine völlig neue Umgebung, neue Bezugspartner, muss deshalb besonders behutsam und liebevoll, mit Weit- und Voraussicht umgesetzt werden.

Der Umzug und Einzug ins neue Zuhause

Nach dem Umzug in das neue Zuhause wird die Sozialisation des Hundekindes, die bei verantwortungsvollen Züchtern schon stattgefunden hat, weitergeführt. Bis zur Entwöhnung der Hundemutter, war die Bindung des Welpen an seine Mama am stärksten; nach der Entwöhnung ist es leicht, eine neue starke Bindung an die neuen Menscheneltern aufzubauen. Sie wird ermöglicht durch - Sozialverhalten:

  • Füttern!
  • Spielen!
  • liebe volle Zuwendung!

Rangordnungstheorien, menschliches Dominanzverhalten und -beziehungen führen hingegen ganz sicher nicht zu einer vertrauten und vertrauenden Bindung!!!

Ein sicheres Bindungsverhalten ist erkennbar an - Sozialverhalten:

  • Kontaktliegen, d.h., nahe zusammenliegen, kuscheln
  • Gemeinsame Bewegungen, gemeinsames Erkunden, gemeinsames Spazieren
  • häufiges Spiel

"Bindung" fällt also nicht einfach so vom Himmel! Der Mensch hat dafür viel zu tun! Wie in einer Menschen-Lebensgemeinschaft, ist auch die Partnerschaft zum und mit dem Hund ein Leben lang zu fördern durch - Sozialverhalten:

  • Sicherheit vermitteln, Entspannung ermöglichen
  • Unterstützung, Social Support in schwierigeren Momenten
  • Füttern, gemeinsames Essen
  • räumliche Nähe, kein Zufügen von Angst
  • Körperkontakt, kein Zufügen von Angst

Der hat Augen,  Nase und Ohren! Lehr dem Bindung!

Der leider heute immer noch herumgeisternde Rat, man soll sich verstecken ohne dass der Welpe / (Jung-)Hund es bemerkt, fördert keine sichere Bindung. Im Gegenteil, es handelt sich dabei um gelebtes asoziales Verhalten, welches eine nur vermeintliche Bindung installiert, gründend auf dem Aus- und Benutzen von Angst, die Bezugsperson aus den Augen zu verlieren. Wiederholtes Verstecken ohne Ankündigung "bindet" also den Hund aus Menschensicht zwar an die Bezugsperson, weil dieser ganz sicher nicht  mehr davonlaufen wird.., - doch zu welchem Preis...???!!!! Die ständige Verunsicherung, seine Familie zu verlieren. Ständige Besorgnis, ständiger Stress....

Die Mensch-Hund-Mensch-Partnerschaft darf nicht auf dieser Machtausübung, Förderung und Installation von Angst basieren!

Jugendentwicklung: Vom Welpen zum erwachsenen Hund

Die Jugendentwicklung schliesst sich nahtlos an die Welpenzeit an. Sie ist im Fluss. Das heisst, das langsam Erwachsen werden erkennt man an äusseren Merkmalen, von Beginn des Zahnwechsels bis hin zum Ausbilden äusserer Geschlechtsmerkmale. Je nach Hundetyp kann diese Zeit unterschiedlich lange dauern. Als Zeitangabe dienen die Richtwerte so zirka ab dem 5. bis zum 24. Lebensmonat, manchmal auch bis etwa zum 30. Lebensmonat.

In Rassebeschreibungen liest man manchmal den Begriff "spätreif": Dabei handelt es sich um jene Hunde, die eine längere Jugendentwicklungszeit haben als andere.

Vorübergehend kein Anschluss unter dieser Nummer

Die viel zitierte Pubertät ist ein einzelner Ausschnitt aus der gesamten Jugendentwicklungszeit. Während der Pubertät wird die Geschlechtsreife erreicht, so im Schnitt zwischen dem 6. bis zum 12. Lebensmonat. Bei Erreichen der Geschlechtsreife ist die Pubertät abgeschlossen!

Es folgt nun der letzte Abschnitt der Jugendentwicklung, die Adoleszenz, umgangssprachlich auch bekannt als "Flegeljahre" und nicht ganz korrekt betitelte "Pubertät". Es ist die Zeit, in der junge Hunde besonders auffällige, den Mensch störende Verhaltensweisen beginnen zu entwickeln:

  • Reaktiviert und Emotionalität
  • "Ohren auf Durchzug gestellt"
  • Hyperaktivität, "Zappelphilipp"
  • Aggressivität und
  • zunehmende Verschlechterung der Lernleistung
  • Elemente der Jagdverhaltenskette zeigen sich gerade für unerfahrene Hundehaltende deutlicher und
  • der Hund beginnt weiter weg zu laufen, d.h., er zeigt stärkeres Neugier- und Erkundungsverhalten

Alles ist und wird wieder gut

Dein Hund ist weder "dominant", er ist nicht im Begriff, die "Weltherrschaft an sich zu reissen", noch "testet er deine Grenzen", er ist ganz einfach gesund!

Er entdeckt und lernt die Welt, die er sich nicht freiwillig ausgesucht hat drin zu leben. Sein Gehirn erfährt ganz normal entwicklungsbedingte, strukturelle Veränderungen. Die Hormone schuben! :-) Diese bedeuten in der Konsequenz, es hat nicht mehr Platz für alles, wie du dir das vielleicht vorstellst... :-) - "vorübergehend kein Anschluss unter dieser Nummer" ....

Es ist aber auch die Zeit, in der meist direkt nach Welpen-, die Junghundekurse besucht werden: Ein ebenso sensibler Zeitabschnitt, wie nach dem Einzug in das neue Zuhause, in dem gerade unerfahrene Hundehaltende unwissentlich, unabsichtlich grossen Schaden anrichten können, werden so gewisse Ratschläge und Handlungsanweisungen aus Dominanz- und Rangordnungsüberlegungen unüberlegt umgesetzt.

Die Erwartungshaltung und damit der Druck gegenüber dem jungen Hund wächst, war vor ein paar wenigen Wochen noch "süss und niedlich" war, muss heute "brav und gehorsam" sein. Nicht selten erreichen hilfesuchende Hundehaltende gerade jetzt die absonderlichsten Bemerkungen und Ratschläge:

 

Du bist unfähig!...,

  • du bist das Alpha! Du musst nun aber wirklich die Führung übernehmen!
  • er testet dich! Übernimm die Führung!
  • du fütterst ab sofort nur noch aus der Hand, es gibt nur noch Futter gegen Leistung!
  • er muss jederzeit hinter dir laufen!
  • "ungehöriges Verhalten" wird mit Bewerfen von Gegenständen quittiert
  • du musst ihm sofort Sitz, Platz und Fuss beibringen, setz dich durch, wenn es sein muss unter aktivem der Leine (hochziehen an der Leine, Leinenrucken, auf die Leine stehen...)
  • führe den Hund ausschliesslich am Halsband - am Geschirr lernt er nur zu ziehen!
  • Zwick dem Mal eins..., damit er sich erinnert, wo er hingehört
  • du musst ihn halt auslasten und auspowern
  • du musst in halt ignorieren und weg sperren.

Zuckerbrot und Peitsche

Du weisst jetzt, Konfrontation, Auseinandersetzungen über physischen und psychischen Druck und Anwendung von Gewalt, Dominanz- und Rangordnungsmassnahmen in der Mensch-Hund-Partnerschaft sind absolut nicht hilfreich und nicht zielführend. Im Gegenteil, sie installieren die vermeintliche Bindung des Hundes an seinen Menschen einzig gestützt auf dem Fundament von Angst, manchmal Schmerz, Verunsicherung, Frustration...

 

Zuckerbrot und Peitsche...? Willst du das...???!

Nicht die Quantität zählt, sondern die Qualität

 Suche dir fachkompetente Unterstützung. Der oder die Trainer/-in weiss, was er/sie tut. Sie lassen dich nicht die ganze Stunde über an Ort und Stelle stehen, lassen bei Gruppenkursen keinesfalls mehr als 5 Hunde zu, es werden keine aversiven, Verunsicherung, Angst und Schmerz zufügende Praktiken eingesetzt. Nein, die Hunde "machen das nicht untereinander aus", der Kurs ist kein Rudel, sondern eine sich fremd zusammengesetzte Gruppe von Individuuen!

Es wird liebevoll geübt, auf das Individuum eingegangen, den Charakter und die Persönlichkeit berücksichtigt. Deine -auch kritischen- Rückfragen werden geduldig und für dich schlüssig beantwortet. Du lernst, Stressverhalten, Angst, Frustration und Aggression zu erkennen und umgehend angemessen darauf zu reagieren.

 

Es ist dein Kurs, der dich liebevolles, unterstützendes Sozialverhalten des Menschen zu seinem Hund lehrt und auch praktisch befähigt, gestützt auf Herzlichkeit, Verbundenheit, freundlichen und Verhalten fördernden Trainingstechniken, einfach umsetzbar in deinen Alltag fliessen lässt.

 

Nicht höher, schneller, weiter - sondern tiefer, gehaltvoller, qualitätsbewusst, in angemessenem Tempo...., letzteres bestimmst nicht du, sondern dein Hund.

Bleib bei dir

Und last but not least..., lass dich nie, nie, nie verunsichern.

Trau deinem Bauchgefühl, deinem gesunden Menschenverstand! Meist haben beide nämlich recht! Besuche eine oder mehrere Lektionen ohne deinen Hund. Mach dir ein Bild, fühle hin. Du darfst auch freien Herzens "Nein" sagen zu Empfehlungen, die dir gegen den Strich gehen!

Und: Du darfst jederzeit einen Kurs umgehend verlassen, wenn er dir nicht zusagt. Deinem Hund zuliebe.

Literaturempfehlung

  • John Bradshaw: Hundeverstand
  • Raymond und Lorna Coppinger: Hunde - Neue Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Kaniden
  • Raymond Coppinger, Mark Feinstein: Die Ethologie der Hunde
  • Daniel Mills: Fit for life - Was Welpen wirklich lernen müssen
  • Madeleine Franck und Rolf C. Franck: Das Welpen-ABC - Junge Hunde positiv fördern und erziehen
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